Historisches Hofheim am Taunus

Altes für die Zukunft bewahren!


Historische Bauwerke in Hofheim am Taunus (14)


Hauptstraße 31 und 33
- das ehemalige Gasthaus "Zum Wolf"

Hauptstraße 31 und 33 


Hauptstraße 31 (links), 33 (rechts) - Foto: Heiko Schmitt


Das Haus Hauptstraße 33 (Ecke Pfarrgasse) gehört zu den ältesten Häusern Hofheims, obwohl die Klinkerfassade zur Hauptstraße hin es moderner erscheinen lässt. Sie wurde aber erst um 1903 als Ersatz für die marode Fachwerkfront errichtet. Das übrige Fachwerkhaus ist im ursprünglichen Zustand weitgehend erhalten geblieben. Nach einer in einem Türsturz eingeschnitzten Jahreszahl und durch dendrochronologische Untersuchungen bestätigt wurde es 1554 erbaut. Die vielen unter den Häusern Nr. 33 und Nr. 31 erhalten gebliebenen unterschiedlichen Keller lassen darauf schließen, dass dort vorher andere Häuser gestanden haben.

Durch spätere Quellen ließ sich belegen, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit schon bald nach seiner Erbauung als Gasthaus genutzt wurde. In den Rechnungen der Kellerei Hofheim wird 1566 ein Wirt Wolfgang Wolffen genannt, nach dem sein Gasthaus vermutlich benannt wurde. Der Name des Gasthauses „Zum Wolf“ erscheint erstmals 1580 in den Kellereirechnungen, danach immer wieder. Als nach 1694 die Gasthäuser mit Konzession, den so genannten Schildrechten, in den Kellereirechnungen regelmäßig aufgeführt wurden, gehörte in Hofheim zunächst nur das Gasthaus „Zum Wolf“ neben dem Gasthaus „Zum grünen Baum“ zu diesen Gasthäusern. Als die Schildrechte letztmals 1815 in den Kellereirechnungen genannt wurden, war dieses Gasthaus auch noch dabei. Es hat also in Hofheim mindestens 235 Jahre lang existiert.

Mit den Schildrechten wurden in den Kellereirechnungen auch die Namen der Wirte oder Wirtinnen genannt. So lässt sich nachvollziehen, dass das Gasthaus ab 1707 über viele Jahre von der Familie Trauth bewirtschaftet wurde. Als Johann Jacob Trauth 1723 starb, wurde seine Witwe Anna Maria Trauthin die Wirtin. Sie heiratete 1726 den 21 Jahre jüngeren Anselm Franz Aull aus Fischbach, der mindestens bis 1765 der Wolfswirt blieb. Er war aber auch ab 1732 bis zu seinem Tod 1782, also 50 Jahre lang, der Schultheiß von Hofheim. Durch ihn gibt es im Lagerbuch der Stadt Hofheim von 1764, einer frühen Form des heutigen Grundbuches, den Hinweis, dass er zu dieser Zeit der Besitzer der Grundstücke Hauptstraße 33 und 31 war. In Verbindung mit den Schildrechten wird damit klar, dass dort der Standort des Gasthauses „Zum Wolf“ war. 

Bei der Restaurierung und Sanierung des denkmalgeschützten Hauses Hauptstraße 31 ließ das Landesamt für Denkmalpflege um 1986 den Ursprung des Hauses ermitteln. Dabei wurde festgestellt, dass das Fachwerkhaus um 1687 gebaut wurde, ursprünglich offensichtlich mit einer Verbindung zum Nachbarhaus Nr. 33. Es war erkennbar als Gasthaus konzipiert. Es hatte keine eigene Innentreppe, war aber im Obergeschoss vom Nachbarhaus aus und durch eine rückseitige Außentreppe zugänglich. Im Obergeschoss befand sich zur Straße hin ein kleiner Saal und Gästezimmer, die durch einen Laubengang auf der Südseite erschlossen waren. Dies deutet alles darauf hin, dass das Haus Nr. 31 ursprünglich der Erweiterungsbau für das Gasthaus „Zum Wolf“ war. 

Der Denkmalschutz veranlasste auch die Untersuchung der Baugeschichte des Hauses Nr. 33. Dabei wurde festgestellt, dass es 1714 nochmals auf der Rückseite erweitert wurde, und zwar um ca. 4,5 m in Richtung Pfarrgasse. Die beiden Häuser Nr. 33 und 31 wurden erst im 19. Jahrhundert  in zwei eigenständige Häuser getrennt und durch viele Umbauten immer wieder umgestaltet. Z. B. wurden die ursprünglichen Gasträume im Erdgeschoss zu Läden mit Schaufenstern.

Nr. 31 in der Mitte, um 1965 - Foto: Stadtarchiv Hofheim

Die Zeit von der Mitte des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ist für beide Häuser noch ungeklärt. Ab 1861, vermutlich nach der Trennung der beiden Häuser, gehörte das Haus Nr. 31 dem Spenglermeister Adam Henninger, der dort wie sein Sohn Wilhelm ein Spenglerei- und Installationsgeschäft betrieb. Dessen Sohn Willi handelte später mit Kohlen und nebenbei mit Pferden. Nach dem Krieg gab es an der Hauptstraße 1945 einen kleinen Laden für Drogerieartikel, der von dem Kunstmaler Franz Fritzen übernommen und erweitert wurde. Er eröffnete dort 1947 ein Geschäft für Kunstgewerbe und sakrale Gegenstände, die „Hofheimer Werkstube“. 1951 wurde die Durchfahrt zum Hof für die Erweiterung des Ladens mit einem dritten Schaufenster genutzt. Nachdem die Hofheimer Werkstube 1955 in die Niederhofheimer Straße umgezogen war, folgte in der Hauptstraße 31 Frau Bernates mit einem Geschäft für Mode, Modeschmuck und Geschenkartikel, das etwa 18 Jahre bestand. 1975 zog bis zur Sanierung des Gebäudes 1987 bis 1990 das Geschäft „Fachwerk“ von Margit Gutfleisch-Kozlowsky dort ein, das Kunstgewerbe, Keramik, Glas und Geschenkartikel verkaufte. Bei der Sanierung wurde vieles vom ursprünglichen Zustand wiederhergestellt, u. a. der Laden wieder auf zwei Schaufenster verkleinert. Dort zog 1990 das Kindermodengeschäft „Pico bello“ ein.

Nr. 33, 1923 - Foto: Stadtarchiv Hofheim

Das Anwesen Nr. 33 war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Besitz der Familie Christian Müller, die dort eine Bäckerei und Landwirtschaft betrieben. Im rückwärtigen Teil des ehemaligen Gasthauses war bis 1933 ein großer Backofen vorhanden. Bis 1902 war das Anwesen im Besitz des Sohnes Johann Müller, ebenfalls Bäcker und Landwirt. Die Bäckerei wurde von Friedrich Dietz weitergeführt. Ihm folgte als Bäcker von 1909 bis 1919 Julius Erbes. Der nächste Besitzer Ludwig Listl wechselte von der Bäckerei zu einer Obsthandlung und betrieb im hinteren Teil des Anwesens zusätzlich ein Fuhrgeschäft und einen Altmaterialhandel, der später von seinem Schwiegersohn Josef Seyfferle übernommen wurde. Kurzfristig war 1923 die Metzgerei von Friedrich Nachmann in dem Haus. In den 1930er Jahren befand sich im Vorderhaus das Friseurgeschäft Schweikart, dem 1939 der Friseur Ludwig Stach folgte. 

Ein gewerkschaftliches Intermezzo gab es 1948, als dort ein Lebensmittelgeschäft des „Konsum“ einzog. Zuvor wurde das Schaufenster des vorhergehenden Bäckerladens und Friseurgeschäfts auf den heutigen Stand erweitert. Um 1955 zog wieder ein Friseurgeschäft ein, der Friseur Stach. Ihm folgte um 1960 der Friseur Werner Grabosch. Danach folgten bis heute noch einige Nutzungswechsel. Es ist verständlich, dass nach all diesen vielen Nutzungswechseln in Hofheim in Vergessenheit geraten ist, dass dieses Haus ursprünglich das Gasthaus „Zum Wolf“ war, das vermutlich älteste Gasthaus Hofheims. 



Bearbeitung: Historischer Arbeitskreis Hofheim am Taunus (Dieter Reuschling)


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