Vor 60 Jahren
„galerie 66 h. g. krupp“ in Hofheim gegründet
Vor 60 Jahren eröffnete der Hofheimer Maler Hermann Krupp mit seiner „galerie 66 h. g. krupp“ der Kunst ein neues Sprachrohr, das über 40 Jahre weit in die Welt wirkte. Von den vielen Ereignissen und den über 200 Ausstellungen detailliert zu berichten, würde diesen Rahmen sprengen. Wir konzentrieren uns daher auf die wichtigsten aus der Hofheimer Zeit.
Wie es zu der Gründung der 1. Galerie im Main-Taunus-Kreis kam, erläutert uns am besten der Galerist persönlich im Vorwort zu seinem Jubiläumsbuch „10 Jahre Galerie 66 H. G. Krupp“: „Gestützt auf die Erfahrungen mit meinen zuvor
in Hofheim, Frankfurt und Budapest organisierten Ausstellungen, begann ich meine Galerietätigkeit im bescheidenen Rahmen meiner Privatwohnung in der Chattenstraße in Hofheim am Taunus. Anfangs dachte ich an kleine Ausstellungen, die meine eigene künstlerische Tätigkeit nicht in zeitliche Bedrängnis bringen würden. Ich wollte ein kleines Forum für die zeitgenössische Kunst schaffen mittels den in der Zeit von 1962 bis 1965 entwickelten freundschaftlichen Beziehungen zu Künstlern in Amsterdam, Berlin, Budapest und Frankfurt am Main.
Bereits ein Jahr zuvor hatte ich mit einer Ausstellung zeitgenössischer ungarischer Künstler die Galerie eröffnen wollen, jedoch war es nicht gelungen, die erforderliche Genehmigung durch die ungarischen Behörden zur Ausfuhr der Kunstwerke in die BRD zu erreichen. Diese Ausstellung hätte sich als Gegenausstellung der von mir in Budapest gezeigten Ausstellung „Junge Deutsche Kunst“, die zufällig auch die erste Ausstellung Deutscher Kunst nach 1945 in Ungarn geworden war, verstanden. Nach vielen Bemühungen mußte ich daher diese Idee fallen lassen.“
Eröffnungsausstellung der „galerie 66 h. g. krupp“ in der Chattenstraße
„Nach einigen Überlegungen entschloß ich mich, eine Ausstellung unter dem Titel „Deutsche Miniaturen“ als Eröffnungsausstellung zu arrangieren. Das kleine Format wählte ich zunächst aus wirtschaftlichen Gründen, zum anderen sah ich darin auch einen interessanten Aspekt für die gesamte Kunstszene. Bis zum Jahr 1966 bestand die Tendenz in großen und immer größeren Formaten. Mit den „Deutschen Miniaturen“ versuchte ich, eine fast in Vergessenheit geratene Kunstgattung wieder ans Licht zu bringen.“
Am 23. Oktober 1966 fand die Eröffnung der Ausstellung „Deutsche Miniaturen“ statt und somit war die Galerie 66 H. Gerhard Krupp aus der Taufe gehoben. Etwa 40 Künstler waren an der Ausstellung beteiligt, darunter bekannte Namen wie Julius Bissier, Peter Brüning, Karl Fred Dahmen oder Emil Schumacher. Sogar die Schirmherrschaft des damaligen Hessischen Kultusministers Prof. Dr. Ernst Schütte hatte für die Ausstellung erreichen werden können. Sie wurde zum vielbeachteten Kunstereignis der sechziger Jahre.
In dem Gästebuch der Galerie finden wir u. a. den Eintrag von dem großen Darmstädter Kunstsammler Karl Ströher: „erfrischt von den sprudelnden Quellen neuer Kunst“, schrieb er am 21. Dezember 1966, übrigens wenige Zeilen unter dem Eintrag von Landrat Dr. Valentin Jost und Kunstlehrer Peter Helm vom Gymnasium am Rosenberg. Sammler Ströher blieb der Galerie über viele Jahre wohlwollend verbunden.
„Kaum war die Ausstellung eröffnet, zog man die Genehmigung zur Durchführung von Ausstellungen in der Wohnung wieder zurück, da eine Galerie eine gewerbliche Nutzung der Wohnung darstelle. Das war natürlich betrüblich. Nach einer Ausstellung wieder schließen? Nein, so schnell gab ich nicht auf. Damals war es fast unmöglich, in Hofheim entsprechenden Gewerberaum zu finden. Nur durch Zufall entdeckten wir zwei geeignete Kellerräume. Zum Glück waren dieselben nicht allzu weit von der Wohnung entfernt, denn damals hatten wir weder einen Wagen noch Handkarren. Wir verwandelten mit einigen Spanholzplatten und Neonröhren die Räume so, daß sie von ihrer eigentlichen Bestimmung nichts mehr erkennen ließen.“ schreibt der Galerist weiter im Jubiläumsbuch.
Neue Galerieräume Römerstraße 20
Am 3. Dezember 1966 konnte mit der 2. Ausstellung, in der Werke der Berliner Künstler Paul Uwe Dreyer und Karlheinz Droste gezeigt wurden, die Galerietätigkeit in den Räumen Römerstraße 20 fortgeführt werden.
Dieser Ausstellungs-Auftakt war Verpflichtung und Programm zugleich. Es folgten in monatlichem Wechsel hochkarätige Ausstellungsevents. Große arrivierte Künstler aus dem In- und Ausland wie Karl Fred Dahmen, Heinz Trökes, Max Ackermann und Ole Baertling stellte die Galerie in Einzel- und Gruppenausstellungen vor und auch viele junge Talente fanden fortan hier ihr Forum. Hochkarätige Gäste und Ausstellungsbesucher kamen von weit her. Sie reisten u.a. aus Berlin, München, Mannheim, Aschaffenburg oder Luxemburg zu den Eröffnungen nach Hofheim, um die hier gezeigte Kunst zu erleben.
Selbstverständlich war vielen Künstlern der Weg nach Hofheim nicht zu weit und auch die zuständigen Diplomaten aus den Konsulaten und Botschaften folgten stets gerne der Einladung in die Galerie.
Der in Amsterdam lebende indonesische Maler Yo Bwang Tjong war 1967 persönlich zu seiner Ausstellung nach Hofheim gekommen, ebenso wie der Botschaftsrat E. J. Korthals Altes von der Königlich Niederländischen Botschaft in Bonn, der die Einführungsrede hielt.
Ausstellung „berlin kunst 68“
Nach 12 Einzel- und 7 Gruppenausstellungen präsentierte die Galerie ihre 1. größere Ausstellung: die „berlin kunst 68“ mit 25 Westberliner Malern und Bildhauern, die im Saal des Evangelischen Gemeindezentrums in der Kurhausstraße in Hofheim und in der Galerie in der Römerstraße zu besichtigen war. Sie wurde zum ersten größeren Erfolg von Krupps Galeriearbeit. Der dazu herausgegebene Katalog war ebenso erfolgreich und ging in viele europäische Länder und nach Übersee.
„Insgesamt gesehen war 1968 ein turbulentes und produktives Jahr“, bilanzierte Galerist Krupp 1976. “Neben den zahlreichen Ausstellungen der Galerie war ich durch Einzelausstellungen meiner Werke in Berlin und Frankfurt zusätzlich beschäftigt gewesen. Ich kam erst wieder durch eine Zwangspause zur Ruhe. Schuld daran war eine Katze, die mich in die rechte Hand gebissen hatte. Am nächsten Tag war meine Hand rot angeschwollen und ich konnte mich schnellstens beim Arzt um eine Spritze bemühen. Das Wetter erlaubte einen Spaziergang, den ersten seit langem. Er führte an einer Baustelle in der Ostpreußenstraße vorbei und so kamen wir zu unseren jetzigen Räumen.“
Galerie 66 H. G. Krupp in der Ostpreußenstraße 2 a
Mit der Ausstellung des jungen Stuttgarter Bildhauers Reinhold Müller wurden die neuen Galerieräume 1969 in der Ostpreußenstraße 2 a eröffnet. Die Nummer 2 a hatte Hermann Krupp der zuständigen Stelle übrigens vorgeschlagen, da man die Nummer ursprünglich vergessen hatte.
Die große Zahl der zur Eröffnung erschienenen Gäste spiegelte die Resonanz der bis dahin geleisteten Arbeit und der Bemühungen, in Hofheim eine Stätte der Kunst zu schaffen, deutlich wider.
ars accurata, ars multipikata - ars mobilis, ars popularis
| Die 2. Ausstellung in der neuen Galerie war einem 3-teiligen Zyklus gewidmet, der alle damals zur Diskussion stehenden, wichtigen Kunstrichtungen berücksichtigte. Die von Krupp erfundenen Titel „ars accurata, ars multipikata – ars mobilis, ars popularis“ fanden sogar Eingang in die Kunstgeschichte. Karin Thomas übernahm sie sofort in ihre neueste Publikation beim Du Mont Verlag über zeitgenössische Kunst, „Bis heute“ genannt.
Zu dem vielbeachteten Ausstellungszyklus erschien ein beeindruckendes dreiteiliges Katalogwerk.
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Die international beschickte Ausstellung konnte an die Centrum Galerie nach Hamburg und an den Kunstverein Gütersloh weitergeleitet werden.
Zum Konzept des Galeristen H. G. Krupp gehörte es nicht nur etablierte, anerkannte Künstler zu vertreten, sondern vor allem junge Künstler vorzustellen. „Hofheim ist genau gesehen eine Kunstwüste mit einigen Oasen, aber in vielem besser als manche vergleichbare Kleinstadt.“ fand er. Daher hat er stets versucht, für Interessenten von nah und fern den Weg nach Hofheim lohnend zu gestalten und unternahm deshalb etliche Male große Anstrengungen, um Ausstellungen zu organisieren.
Brücken zu anderen Kulturen bauen
Im November 1969 stellte die Galerie erstmals alte afrikanische Plastiken, Masken und Fetische der zeitgenössischen Kunst zur Seite. Die Strategie alt und neu zu verbinden, verfolgten auch weitere Ausstellungen. Fremde Kulturen waren 1973 und 1975 mit Bildern vom 16. bis 20. Jahrhundert aus Indien, Nepal, Sikkim und Tibet zu Gast. 1981 stellten Inuit-Künstler aus der Arktis und zeitgenössische Indianer-Künstler aus.
Malunterricht
Montags gehörte die Galerie den Kindern: Kunstmaler Hermann Krupp unterrichtete in seiner privaten Kindermalschule junge Talente von 4 bis 14 Jahren und abends kamen die erwachsenen „Schüler“ am Ruhetag der Galerie.
Weltausstellung miniaturen’70 international
Für die Ausstellung „miniaturen’70 international“ wollte er versuchen, möglichst viele Werke internationaler Künstler aus verschiedenen Ländern zusammenzutragen. In der kurzen Zeit von knapp 5 Monaten kamen fast alle Werke direkt aus den Künstlerateliers nach Hofheim, ganz gleich ob diese aus Brasilien, Australien, Manila oder Moskau, London, Paris oder New York geschickt worden waren.
Aus 30 Ländern beteiligten sich insgesamt 300 Künstler. Eine so umfangreiche Ausstellung war nur durch das kleine Format der Ausstellungsobjekte möglich geworden. „Für die Hängung und Unterbringung innerhalb einer Ausstellung ist das kleine Format wie geschaffen, doch das war nur ein Aspekt, der mich auf meine Idee gebracht hatte, zum anderen fand ich, daß es auch im Kleinformat möglich sein müßte, sich künstlerisch gültig auszudrücken. Außerdem galt meine persönlich Liebe gerade dem kleinen Werk, - der zeitgenössischen Miniatur, die lange vernachläßigt worden war.“ lesen wir im Prolog des Jubiläumsbuches.
Größte Sensation der „miniaturen’70 international“ waren Originalzeichnungen von vier Künstlern aus Moskau, deren Abbildungen gerade noch vor Druckbeginn in den Katalog aufgenommen werden konnten. Nie zuvor waren sich so viele Künstler aus verschiedenen Ländern anlässlich einer Eröffnung in Hofheim begegnet wie zur „miniaturen’70 international“.
Nach der Präsentation in Hofheim wurde die Ausstellung noch erfolgreich in mehreren Städten der BRD gezeigt. Die unterschiedlichen Formate und Materialien der Objekte und Kleinplastiken sowie der Gesamtpreis des Ausstellungsgutes machten eine Weitergabe ins Ausland leider unmöglich. Galerien, Kunstvereine aus Holland, England, Österreich, Norwegen und Frankreich (Paris) waren an einer Übernahme interessiert gewesen.
Stand auf der Frankfurter Buchmesse
Seit 1970 nahm die Galerie 66 H.G. Krupp regelmäßig mit einem eigenen Stand an der Frankfurter Buchmesse teil sowie 1974 und 1975 am Marburger Kunstmarkt.
Zu den Ausstellungen erschienen regelmäßig Kataloge und großformatige künstlerisch gestaltete Plakate. Die kleinen Anfänge der eigenen Edition wurden ebenfalls stetig weiter ausgebaut.
Max Ackermann Ausstellung 1971
Die Werke zur Ausstellung des berühmten Altmeisters der Moderne, Max Ackermann, suchte H.G. Krupp direkt in seinem Atelier in Stuttgart aus. Der Sammler Karl Ströher ließ es sich nicht nehmen, die Ausstellung in Hofheim persönlich mit seiner Gattin zu besuchen.10 Jahre Galerie 66 H. G. Krupp
Die Eröffnungsreden zur Jubiläums-ausstellung am 6. November 1976 hielten der Hofheimer Bürgermeister Friedrich Flaccus, der Kunsthistoriker Dr. Paul Eich vom Städelschen Kunstinstitut (Städelmuseum) und es spielte das Collegium Musicum von Alois Kottmann. Aus Anlass des 10-jährigen Bestehens wurden u.a. 66 Kunstwerke, Kataloge und Plakate verlost und am Wochenende erhielt jeder Gast eine Originalgrafik als Geschenk.
Das Jubiläumskatalog-Buch mit 30 Originalgrafiken der ausstellenden Maler und Bildhauer mit über 100 Seiten, zahlreichen Abbildungen, Text und Biographien hat H. G. Krupp selbst gedruckt und wie immer das Layout erstellt.
In seiner Einführung heißt es: „Nach der langen und doch kurzen Zeit von 10 Jahren kann ich feststellen, daß die Bilanz positiv ausfällt, zählt man das Erreichte und die erzielten Auswirkungen zusammen. Ich konnte ein Zentrum der Kunst schaffen, das weit über die nähere und nächste Umgebung, ja über Länder hinauswirkte. Ich fühle mich aber noch lange nicht am Ziel meiner Vorhabungen und werde meine Galerie entsprechend weiterführen.
Als Händler freue ich mich, daß ich meine Kunden gut beraten und ihnen gute Stücke günstig anbieten konnte, besonders, wenn sich der erhoffte Wertzuwachs des Erworbenen früher als erwartet eingestellt hat. Meinem Prinzip, alle Kunstwerke direkt vom Künstler zu übernehmen, um von Anfang an, alle Garantien weitergeben zu können und Fälschungen somit auszuschließen, werde ich weiter treu bleiben. Bei allen anderen Einkäufen ging ich mit größter Sorgfalt vor und arbeitete nur mit mir bestens bekannten Fachleuten und Lieferanten.“
Künstler in ihren Ausstellungen (zwei Beispiele)
Galerie H. G. Krupp im Schloss Elkerhausen
Als nach über 150 Ausstellungen die Galerieräume in der Ostpreußenstraße im Januar 1983 wegen überhöhter Mietforderungen aufgegeben werden mussten, wurde die Galerie ab Juli 1986 als „Galerie H. G. Krupp“ im Schloss Elkerhausen in Weinbach bis zur Jubiläumsausstellung „40 Jahre Galerie H. G. Krupp“ im Jahr 2006 weitergeführt. Die Geschäftsaufgabe erfolgte nach über 200 erfolgreichen Einzel- und Gruppen-Ausstellungen internationaler zeitgenössischer Kunst im März 2014.
Text und Fotos: Dr. phil. Ingrid Krupp M.A.
Quellen:
Kataloge, Einladungen, Plakate, Gästebücher und Verzeichnisse der Galerie 66 H.G. Krupp
Wir bedanken uns bei Frau Dr. Ingrid Krupp M.A. für die freundliche Bereitstellung dieses Beitrages.
Bearbeitung: Historischer Arbeitskreis Hofheim (Wilfried Wohmann)