Historisches Hofheim am Taunus

Altes für die Zukunft bewahren!



Ein Beitrag zur Hofheimer Postgeschichte:



Hofheim am Taunus - von der Thurn und Taxi'schen Postablage zur königlich preußischen Postexpedition II. Klasse


Werner F. Lindner

Wer über die Anfänge der Post in Hofheim am Taunus berichten will, der muss bei der Poststation im nahegelegenen Hattersheim beginnen, denn vor der Einrichtung einer Postablage in Hofheim wurden der Ort und die nähere Umgebung von Hattersheim aus postalisch bedient.

Abbildung 1: 1845 in Hattersheim ausgestellter Pränumerationsschein zum Bezug einer Zeitung

Hattersheim lag an der bedeutenden Postlinie Frankfurt – Mainz – Köln. Schon im Jahr 1705 wurde dort eine Kaiserliche Reichspostanstalt im Erzstift Mainz eingerichtet. Die beiden Zweige „reitende Post“ und „fahrende Post“ waren im heutigen „alten“ Posthof untergebracht, einem großflächigen Hofgeviert mit breiten Toren zum Passieren der Postfahrzeuge.

Nach einer Blütezeit, aber auch nach schweren Jahren, fand die Kaiserliche Reichspost 1806 de jure ihr Ende. Napoleon bildete den Rheinbund und deren Fürsten nahmen das sogenannte Postregal als landesfürstliches Recht in Anspruch. Zwischen den herzoglich nassauischen Landen und den Fürsten von Thurn und Taxis wurde ein Postlehensvertrag geschlossen, der am 19. Dezember 1806 die Ausübung des Postregals im Herzogtum Nassau an das Haus Thurn und Taxis übertrug.

Durch entsprechendes Postaufkommen im „Hinterland“ von Hattersheim, wurde es erforderlich zwei Postfilialen einzurichten, in Hofheim und Eppstein. – Um 1600 wurden in nur etwa 300 Einwohner gezählt, so wuchs deren Zahl bis zum Jahr 1849 schon auf 1825 Personen an, also auf das Sechsfache. Kleine Industriebetriebe hatten sich angesiedelt, wie Holz-, Leder- und Metallverarbeitung, ferner wurden Farben hergestellt.

 

Abbildung 2: 1852 von Frankfurt am Main nach Hofheim, Post Hattersheim, gerichteter Brief


Postalisch wurden die Bewohner von Hofheim durch die Landzustellung von Hattersheim versorgt. Belege, in Form von postalischen Formularen, sind uns ab 1840 bekannt. Die Abbildung 1 zeigt einen Pränumerationsschein, ausgestellt im Jahr 1845 von der Herzoglich Nassauischen Posthalterei in Hattersheim, unterschrieben von Christian Bauer. Mit diesem Formular wurde für Stadtschultheiß Wohmann in Hofheim die Frankfurter Oberpostamtszeitung abonniert.

Ein von Frankfurt nach Hofheim 1852 gerichteter Brief trägt deutlich die Anschrift „Hofheim p. (Post) Hattersheim“ (Abbildung 2). Rückseitig ist der Ankunftsstempel von Hattersheim abgeschlagen.

Die Frankatur des in Frankfurt mit 2 Kreuzer (Nahbereichsporto) freigemachten Briefes wurde mit dem Tagesstempel entwertet; der zur Markenentwertung vorgesehene Nummernstempel 220 stand noch nicht bei der Einführung der Briefmarken zur Verfügung. In der rechten oberen Ecke ist mit Rötelstift „2x“ vermerkt, das ist die Portoangabe, die in Form von Briefmarken verwirklicht wurde; Schulinspektor Hilf, der Empfänger des Briefes, hatte somit keine Gebühren zu tragen.

Wir finden auf allen Sendungen, die vor der Eröffnung der Postablage nach Hofheim zuzustellen waren, die Vermerke: Post Hattersheim; per Hattersheim; Hattersheim im Nassauischen; Hattersheim H.N. (Herzogtum Nassau).


Abbildung 3: Postablage im Haus "Zur Krone", Inhaber und Posthalter Heinrich Karl Fach


Dies ändert sich, sobald im Oktober 1866 in Hofheim eine Postablage eröffnet wurde. In der Hauptstraße im Haus „Zur Krone“ unweit des Rathauses, wurde vom Kaufmann und Gastwirt Heinrich Karl Fach die Postablage betrieben, die, ebenso wie in Eppstein, der Postexpedition in Hattersheim unterstellt war.

Heinrich Karl Fach brachte die Voraussetzung mit, auf die bei der Vergabe einer solchen Stelle von Seiten des Oberpostamts in Frankfurt wert gelegt wurde. – Über die Hauptstraße war das Gebäude gut anzufahren. Im geräumigen Haus war für die Reisenden für Verpflegung und Unterkunft gesorgt. Als Kaufmann und Gastwirt konnte man bei Heinrich Karl Fach ein gewisses finanzielles Polster (Vermögen) voraussetzen, so dass er in gesicherten Verhältnissen lebte und nicht alleine von den Einnahmen durch die Post sein Auskommen bestreiten musste. 

Abbildung 4: Stempel der Postablagen Hofheim und Eppstein

Der Postablagestempel unterschied sich von den sonst gebräuchlichen Tagesstempeln dadurch, dass er kein Datum beinhaltete. Es war ein zweizeiliger Rahmenstempel. In der ersten Zeile lesen wir den Ort der distribuierenden Poststelle HATTERSHEIM, in der zweiten Zeile den Ortsnamen der Postablage HOFHEIM. Hinter Hofheim ist ein Punkt gesetzt, was beim Stempel von Eppstein nicht der Fall ist. In Hofheim war die Taxe für abgehende Sendungen von Hattersheim anzuwenden.

Abbildung 5: 1867, beide Postablagen passierender Dienstbrief

Das Datum war sowohl bei der abgehenden, als auch bei der ankommenden Post, von Hand in der Nähe des Stempelabdrucks auf der Sendung anzubringen. Tag und Monat wurden mittels Bruch- oder Schrägstrich getrennt; die Jahresangabe unterblieb oft. Da zwischen Vor- und Nachmittag unterschieden werden musste, wurde ein V (Vormittag) bzw. ein N (Nachmittag) hinzugefügt.

Ein Brief, der beide Postablagen passierte, ist in der Abbildung 5 zu sehen. Am 15. 3. (1867) wurde der Brief bei der Postablage Hofheim aufgeliefert. Am 16. 3. (1867) n (nachmittags) wurde er von der Postablage Eppstein nach Hofheim zurückgeschickt. Hin- und Rückbrief wurden nicht freigemacht, da Dienstsachen gebührenfrei befördert wurden.

Waren Sendungen durch Briefmarken freizumachen, so war folgendermaßen zu verfahren: Bei Aufgabe einer Sendung bei der Postablage, hier Hofheim, wurde das Porto so berechnet, als wäre die Sendung in Hattersheim aufgegeben worden. Das Porto (siehe Abbildung 6) des Briefes nach Mainz betrug innerhalb der Nahbereichszone 2 Kreuzer. In Form von 2 Ein-Kreuzer-Marken (farbig durchstochen) wurde das eigentliche Porto entrichtet. Der Postablagestempel HOFHEIM wurde auf den marken abgeschlagen und das Datum 23. 3. (1867) auf dem Brief handschriftlich hinzugefügt. In Hattersheim musste die Frankatur, so war es Vorschrift, mit dem Nummernstempel 182 (für Hattersheim) in blauer Farbe entwertet werden, was in der Schwarzweiß-Abbildung nur schwer zu erkennen ist.

Abbildung 6: 1867, freigemachter Brief (Nahbereichsporto) von Hofheim nach Mainz

Abbildung 7: 1867, 9-Kreuzer-Ganzsache von Hofheim nach Wien

Zur Portoentrichtung waren nicht nur Frei- oder Briefmarken möglich, neben der Barentrichtung am Schalter gab es sogenannte Ganzsachen-Kuverts mit eingedrucktem Wertstempel für die gebräuchlichen Portostufen.

Die Abbildung 7 zeigt ein 9 Kreuzer-Ganzsachenkuvert der höchsten Entfernungsstufe, das nach Wien gerichtet ist. Entwertet wurde der Wertstempel zunächst mit dem Hofheimer Postablagestempel mit nebengesetztem Datum 26. 1. 1867 und dem Hattersheimer Nummernstempel 182. Der Ankunftsstempel sagt uns, dass der Brief nach Wien 2 Tage unterwegs war.

Abbildung 8: Zeitungs-Conto-Formular, ausgestellt bei der königlichen Postablage Hofheim, unterschrieben Fach

Eingangs haben wir schon erfahren, dass Zeitungen und regelmäßig erscheinende Druckschriften durch den Postdienst zu beziehen waren. Es gab ein postalisches Formular, das das sogenannte Zeitungs-Conto pro Quartal auswies. Abbildung 8 zeigt ein Zeitungs-Conto-Formular der Type Z, I, 3, d zum Bezug der Neuen Mittelrheinischen Zeitung für das 2. Quartal 1867, also in der Zeit, als Hofheim politisch schon preußisch war, daher hat der Unterzeichner H. Fach auch vor dem Wort „Post“ ein K (königliche) gesetzt. Eine Postablage war es im postalischen Sinn noch, da die Thurn und Taxis’sche Lehenspostablage erst am 1. Juli 1867 in eine königlich preußische Postexpedition II. Klasse umbenannt wurde.

Herr Fach wurde bei dem Wechsel nicht entlassen, sondern in preußische Postdienste übernommen, dieses beweist ein preußischer Post-Einlieferungsschein (links unten Adler mit Krone und Posthorn), den H. Fach am 21. 12. 1867 ausgestellt und unterschrieben hat.

Abbildung 9: Preußischer Post-Einlieferungsschein für eine Wertsendung

Die preußische Währung bestand aus Thaler und Silbergroschen. Im Herzogtum Nassau bezahlte man mit Gulden und Kreuzer. Die Preußen führten zunächst im ehemaligen Herzogtum Nassau nicht ihre eigene Währung ein, sondern ließen Briefmarken mit Kreuzer-Währungs-Angabe drucken (siehe Michel-Nr. 22-26). Auch bei den Gebühren für diverse postalische Leistungen wurde die Kreuzer-Währung beibehalten, siehe Abbildung 9 „4 Kr. Baar bezahltes Franco“, sehen wir vorgedruckt.

Abbildung 10: Preußische 1 Kreuzer-Marken, entwertet mit Postablagestempel Hofheim und Tagestempel Hattersheim vom 9. 7. 1867

Mit der Übernahme der Posteinrichtung durch Preußen wurden die taxis’schen Nummern-Stempel sofort abgeschafft. Die Frankatur wurde mittels Tagesstempel entwertet. Diesen Tagesstempel mit Datumeinstellung besaß jedoch eine Postablage nicht, so wurde der Postablagestempel zur Markenentwertung weiterverwendet und in Hattersheim wurde der Tagesstempel mit Datumsangabe hinzugefügt. Auch hier wurde der taxis’sche Einkreisstempel weiterverwendet, d.h. er war noch im Deutschen Reich bis 1879 in Gebrauch.

Abbildung 11: Preußisches Ganzsachenkuvert mit Zusatzfrankatur und Ablösestempel Hofheim 
vom 27. 10. 1867, gerichtet in den Westerwald


Wir sehen ein Paar der preußischen grünen 1 Kreuzer-Marke mit dem Postablagestempel Hofheim und dem Tagesstempel Hattersheim vom 9. Juli 1867. Der Letztere wurde in blauer Farbe abgeschlagen.

Mehr oder weniger rasch wurden die taxis’schen Stempel gegen preußische ausgetauscht. Der preußische Stempel, der einen taxis’schen abgelöst hatte, wurde als Ablöser oder Ablösestempel bezeichnet. – Auf einigen Belegen finden wir den Hofheimer Postablagestempel noch bis zum 31. 7. 1867 weiterverwendet. Der preußische Ablöser wird erstmals am 30. 8. 1867 auf einem Brief belegt. Es handelt sich um einen Einkreisstempel mit Datumsangabe und stündlicher Zeiteinstellung mit dem Zusatz V für Vormittag und N für Nachmittag.

Abbildung 12: Grafische Darstellung der Verwendungszeiten Stempel und -farbe in Eppstein und Hofheim

Ein preußisches Ganzsachenkuvert, Wertstempel 3 Kreuzer, wird nach Krümmel bei Selters im Westerwald verwendet. Die Angabe „ganz franco“ besagt, dass das Landbestellgeld vom Absender ganz mitbezahlt oder vorausbezahlt werden musste, so sind 2 Kreuzer in Form einer gelben 2 Kreuzer-Marke mit verklebt worden. Wir sprechen von einer Ganzsache mit Zusatzfrankatur, die in Hofheim am 27. 10. 1867, 7-8 Uhr Vormittag die Reise in den Westerwald antrat.

Die preußischen Briefmarken, gültig vom 1. 7. bis 31. 12. 1867, wurden von denen des norddeutschen Bundes abgelöst. Diese Epoche des Norddeutschen Postbezirks (NDP) bis zum Beginn der Deutschen Reichspost muss einer weiteren Bearbeitung vorbehalten bleiben.

Die abgebildete Grafik (Abbildung 12) beginnt mit der Gegenüberstellung der Postablagestempel von Hofheim und Eppstein, von der Einrichtung der Postablage bis zum Ende der Weiterverwendung in der preußischen Epoche und dem jeweils folgenden Ablöserstempel, ferner wird in Hofheim die blaue Stempelperiode vermerkt. In Hofheim sind noch unbelegte „weiße Zeiten“ in der Darstellung zu erkennen, die es gilt zu erforschen und zu belegen.

Am Postort Hofheim sollte gezeigt werden, dass es sehr reizvoll für den postgeschichtlich interessierten Heimatsammler sein kann, auch die postalischen Belege eines kleinen Ortes zu bearbeiten und sich nicht nur um die großen Postorte zu bemühen, wie Wiesbaden, Limburg oder Weilburg, um im Herzogtum Nassau zu bleiben. Kleine Postorte wie Kronberg, Oberursel oder Flörsheim, um in der Region zu bleiben, haben ihren eigenen Reiz, auch wenn Belege nicht so häufig anzutreffen sind oder vielleicht gerade deshalb?

Die Postgeschichte Hofheims wird derzeit von drei Sammlern bearbeitet. Die in diesem Bericht abgebildeten Belege sind in der postgeschichtlichen Heimatsammlung (im Ehrenhof ausgestellt) im Original in Farbe, zu sehen.

Der Hofheimer Postablagestempel zierte einen Sonderstempel, der anlässlich des 50. Main-Taunus-Großtauschtages am 28. 5. 1992 verwendet wurde.

Abbildung 13: Postablagestempel als Motiv im Sonderstempel von Hofheim


Hofheim im Juli 1992

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Literaturangaben:
Fitzau, Hans - 850 Jahre Hattersheim am Main, 1982
Münzberg, Werner - Stationskatalog der Thurn und Taxis-Post, 1967
Böltz, Reinhard - Geschichten zur Geschichte von Hattersheim, 1976
ArGe Nassau - Postscheine-Kartei
Staatsarchiv Wiesbaden - Staats- und Adress-Handbücher
Herrmann, Klaus - Thurn und Taxis Poststationen an der Main-Neckar- und an der Taunus-Eisenbahn, 1979
Haferkamp / Probst - Thurn und Taxis Stempelhandbuch, 1976
Michel - Deutschland Spezial-Katalog, 1991
Lindner, Werner - Rundbriefe der ArGe Nassau 6, 11, 12, 20, 22
ArGe Nassau - Ortsaufgabestempel im Herzogthum Nassau, Katalog, 1985
Müller, Rolf - Persönliche Mitteilungen, 1992

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Ergänzende Informationen – Wo befanden sich in Hofheim die Poststellen?

ab Oktober 1866 im Haus „Zur Krone“, Hauptstraße 49

ab 1896 Hauptstraße 67
ab 1900 Hattersheimer Str. 4
ab 1927 Wilhelmstraße 13
heute Wilhelmstraße 9-13

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Wir bedanken uns bei Herrn Lindner, dass er uns diesen Beitrag zur Veröffentlichung auf unserer Website zur Verfügung gestellt hat.




Bearbeitung: Historischer Arbeitskreis Hofheim (Wilfried Wohmann)




 

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