Historisches Hofheim am Taunus

Altes für die Zukunft bewahren!



Besichtigung des ehemaligen Wohnhauses der Malerin Ottilie W. Roederstein


Wohnhaus von Ottilie W. Roederstein und Elisabeth Winterhalter, 2024 - Foto: Heiko Schmitt

Auf Einladung des Besitzers, Herrn Prof. Dr. Mark Wahrenburg, besuchte der Historische Arbeitskreis am Sonntag, den 5. Mai, das legendäre ehemalige Wohnhaus der Malerin und ihrer Lebensgefährtin, Dr. Elisabeth H. Winterhalter. Herr Wahrenburg hatte noch interessierte Freunde und Nachbarn eingeladen.

Nach einem Rundgang durch den, weitgehend in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzten weitläufigen Garten und einleitender Worte durften wir im ehemaligen Atelier der Künstlerin Platz nehmen. Herr Wahrenburg erläuterte, unterstützt durch eine Bildpräsentation sowie anhand ausgelegter Bücher und Fotos, mit sehr viel Begeisterung und Enthusiasmus den mehr als zehnjährigen Weg der Sanierung des Hauses. Den Besuchern wurde vor Augen geführt, mit welchen bauseitigen Überraschungen einerseits man bei einem solch umfangreichen Sanierungsprojekt konfrontiert wird - andererseits jedoch auch viele Zwänge und Einschränkungen aus Denkmalschutz-Gründen auferlegt werden. Das begann mit zugigen, einfachverglasten Fenstern, für die der Besitzer dann beispielsweise eine optisch sehr gute und vor allem wirkungsvolle Lösung durch Vorsetzen leichter Wärmeschutzgläser in genau passenden Rahmen fand. Wie generell die Beheizung sowie Leitungsführung eines solchen, aus dem vorigen Jahrhundert stammenden und mit hohen Räumen ausgestatteten Gebäudes, nach heutigen Standards die Bewohner vor große Probleme stellte. Das Ehepaar Wahrenburg hat hier mit sehr viel Hingabe und persönlichem Einsatz ein beeindruckendes Ergebnis erzielt. Die Innenräume sind mit teils historischem Mobiliar, jedoch ebenso mit Sitz-Ikonen wie von Vitra und italienischen Design-Klassikern eingerichtet.

In der historischen Rückschau auf die Geschichte des Hauses kamen hochinteressante, für die meisten sicher noch unbekannte Details zum Vorschein. So erfuhren die Besucher beispielsweise, dass das Haus seinerzeit sowohl für andere Künstler als auch Freunde und Verwandte oft wochen- oder monatelange Heimstatt war. Auch prominente Frankfurter Bürger, welche sich von Ottilie Roederstein porträtieren ließen, wohnten oftmals eine Woche hier, lebten mit den Bewohnern des Hauses und bekamen einige Zeit später ihr fertiges Porträt mit der Post zugestellt. Apropos Porträts: Herr Wahrenburg hat die in Reichsmark gezahlten Preise auf ein damaliges Jahreseinkommen und D-Mark bzw. die heutige Währung umgerechnet und ist auf den Betrag von ca. 100.000 Euro pro Bild gekommen. Da die Künstlerin in diesen Jahren  6 bis 7 persönliche Porträts erschuf, kann man eine vage Vorstellung der finanziellen Verhältnisse bekommen. Das erklärt dann in der Rückschau auch die Tatsache, dass die beiden Bewohnerinnen stets u. a. drei Hausmädchen beschäftigten, welche das 2. Obergeschoss des Hauses bewohnten. Insofern führten die beiden Damen ein, für diese Zeiten in wirtschaftlicher und auch politischer Hinsicht nicht ganz „genormtes Leben“. Vor allem Ottilie Roederstein war, folgt man den einschlägigen Schilderungen ihrer Zeitgenossen, in ihrer Nachbarschaft und weit darüber hinaus, durch ihre Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft äußerst beliebt.

Der Frankfurter Architekt Hermann Kopf, welcher sich in seinen Stil-Vorstellungen eher dem ausgehenden Jugendstil und dem Architekten der Darmstädter Mathildenhöhe, Josef Maria Olbrich, verbunden fühlte, lehnte die Charakteristik „Landhaus“ für das Wohngebäude eher ab. Er verfolgte eine eigenständige, schlichte Architektur, die sich u. a. durch das extrem hohe Dach auszeichnete. An der Ornamentik kann man auch heute wieder eine Übereinstimmung mit dieser Architekturepoche erkennen. Stark beeindruckten die Zuhörer die abschließenden Informationen über die weitere Bautätigkeit der beiden Damen rund um ihr Haus. Nach einigen Jahren erwarben sie umliegende Grundstücke, die sich am Ende auf ca. 8000 Quadratmeter summierten. Eine für heutige Verhältnisse unglaublich große Fläche, auf der ein Gärtnerhaus sowie ein neues, großes Mal-Atelier für Ottilie Roederstein errichtet wurde. Herr Wahrenburg präsentierte den Besuchern einige historische Fotos, auf denen die Größenverhältnisse deutlich wurden sowie eine Darstellung, welche die aktuelle Bebauung mit bis zu elf Gebäuden veranschaulichte. Das Gärtnerhaus wurde irgendwann einmal abgerissen, wohingegen die Besitzer des ehemaligen Ateliers, das später zu einem Wohnhaus umgebaut wurde, persönlich zugegen waren.

Das eigentliche Wohngebäude - zwischenzeitlich in den letzten 50 Jahren mehrfach umgebaut und in bis zu 5 Wohnungen aufgeteilt, (was nicht immer sehr sensibel ausgeführt wurde) haben die Besitzer nach und nach wieder behutsam nach alten Plänen und Fotos „rückgebaut“.

Nach bereitgestelltem Kaffee, leckerem Kuchen und angeregten Gesprächen verabschiedeten sich die Teilnehmer dankbar für diesen interessanten und beeindruckenden Nachmittag.

Mit Herrn Wahrenburg wurde vereinbart, dass aufgrund der großen Nachfrage für diese Besichtigung, dem Historischen Arbeitskreis ein weiterer Besuchstermin angeboten wird. In absehbarer Zeit ist geplant, eine Informationstafel mit Hinweisen zu diesem Haus am Eingang anzubringen.


Text: Marie-Luise Thonet, Mai 2024

Hier gibt es weitergehende Informationen zu Ottilie W. Roederstein und Elisabeth H. Winterhalter.


Bearbeitung: Historischer Arbeitskreis Hofheim am Taunus (Marie-Luise Thonet)


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