Hofheimer Personen
Josef Adam Krupp
zum 130. Geburtstag
Ein über 60 Jahre aktiver Hofheimer Musiker
* 17. April 1896 in Hofheim am Taunus
+ 10. Dezember 1986 in Hofheim am Taunus
Das Licht der Welt erblickte Josef Adam Krupp vor 130 Jahren am 17. April 1896 in Hofheim am Taunus.
Er stammt aus einer alteingesessenen Hofheimer Familie von Schreinermeistern und Landwirten. Sein Vater Heinrich Josef Krupp arbeitete als Küfer bei den Farbwerken Höchst und seine Mutter Anna Christina war eine geborene Kippert. Josef hatte zwei jüngere Brüder. Johann genannt Jean war Angestellter bei den Farbwerken Höchst und Adolf hatte den Beruf des Schreiners ergriffen. Er spielte Xylophon. Josefs ältere Schwester Anna Katharina starb mit 16 Jahren, sein jüngerer Bruder Peter wurde nur 11 Jahre alt und Wilhelm starb binnen 8 Tagen nach seiner Geburt.
Josef Krupp, von seinen Freunden Seppel genannt, verbrachte sein ganzes Leben in seiner Vaterstadt Hofheim am Taunus, ausgenommen die beiden Weltkriege, an denen er als Soldat teilgenommen hat.
Aus seiner Jugend wissen wir vor allem von seinen Sport-Ambitionen: schon mit 12 Jahren wurde er Mitglied des Hofheimer Turnvereins 1860 und ab seinem 14. Lebensjahr spielte er in der Fußballmannschaft der Deutschen Jugendkraft. Bis ins hohe Alter war er Mitglied der Alt-Fußballer des Main-Taunus-Kreises.
Mit 15 Jahren kam die Musik als sein hinfort Wesen bestimmendes Element hinzu. Franz Hauck, der spätere Leiter des kleinen Tanzorchesters des Hessischen Rundfunks, erteilte ihm von 1911 bis 1914 Musikunterricht. Josef spielte von nun an bis zu seinem Lebensende in wechselnden Besetzungen Klarinette und Saxophon.
Der 1. Weltkrieg (1914-1918) brachte die erste Zäsur in sein junges Leben. In dem Militärpass des „Pioniers“ Adam Josef Krupp von 1915 ist vermerkt, dass er am 24. November 1915 als Landsturm-Rekrut in der 2. Kompanie des Ersatz-Pionier Bataillons 21 seinen Dienst antrat und am 17.3.1916 zur Landwehr Pionier Companie versetzt wurde. 1916 sind viele Gefechte eingetragen, an denen er teilgenommen hatte, u.a. an der Schlacht an der Somme in Frankreich vom 3.-7.Oktober 1916. Danach wurde er wegen Schmerzen in der Bilddarmgegend in Feldlazarette überwiesen und weilte u.a. vom 4.-7. November in Höchst. Im Dezember nahm er an einem Lehrgang am Granatwerfer teil und nach dessen erfolgreichem Abschluss ging es am 12. Januar 1917 zurück ins Feld zur 5. Kompanie des Pionier-Bataillons 21. Auch 1917 nahm Josef Krupp von Januar bis Oktober an zahlreichen Gefechten teil: u.a. an der Somme, an der Aisne, in der Champagne, Fort de la Pompelle und an Stellungskämpfen bei Reims in Frankreich.
Am 18.5.1918 wurde er als „Ersatz zur 1. Reserve-Kompanie Pionier-Bataillon Nr. 10 versetzt“ und am 1.12.1918 wurde „Pionier Krupp in das zu räumende Gebiet aus jeglichem Militärdienst entlassen.“
Ab 1917 hatte er außerdem der Militärkapelle des 21. Pionierbataillons angehört. Das brachte ihm zusätzlich zu der musikalischen Betätigung außerordentliche Aufgaben. Einmal, so erzählte er, radelte er auf Befehl von Hofheim nach Heidelberg, um ein Instrument für die Militärkapelle zu besorgen. Auch Noten hatte er auf diese Weise öfter zu beschaffen.
Am 25. Oktober 1934 wurde ihm, dem „Tüncher“ Josef Krupp, „Im Namen des Führers und Reichskanzlers“ auf Grund der Verordnung vom 13. Juli 1934 das zur Erinnerung an den Weltkrieg 1914/1918 „von dem Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg gestiftete Ehrenkreuz für Frontkämpfer“ verliehen.
Zurück in Hofheim gehörte Josef Krupp mit 23 Jahren zu den Gründungsmitgliedern des Hofheimer Salonorchesters 1919. Diesem später in Orchesterverein 1919 umbenannten Verein hielt er bis zu seinem 85. Lebensalter als aktives Mitglied die Treue.
Seine Lehre machte Josef Krupp bei Malermeister Heinrich Lottermann. Wann ist nicht genau bekannt. In den genealogischen Aufzeichnungen von Wilfried Wohmann wird im Stammbaum Krupp als Beruf für Josef „Furnierer“ angegeben, was sich vielleicht auf seine Tätigkeit bei der Firma Richter in Hofheim ab 1914 bezieht.
Dort hat er sich u.a. sein Schlafzimmer, bestehend aus einem zweiteiligen Ehebett, einem Kleiderschrank mit Spiegel, einer Kommode und zwei Nachtischen angefertigt. Ob es eine Gesellen-Abschlussarbeit oder dergleichen war, ist nicht bekannt.
Jedenfalls war es ihm in seiner am 19. August 1922 in Hofheim mit Antonie Therese Landler geschlossenen Ehe sehr dienlich. Eine erste Wohnung fand das junge Glück am Schießberg als Miet-Nachfolger seines jüngeren Bruders Jean. Später zog man in das Landler-Haus in der Stephanstraße 28 und schließlich mit den beiden Söhnen Hermann und Theodor in das Krupp‘sche Elternhaus in der Stolbergstraße 5.
In den folgenden Jahren arbeitete der in seinem Stammbuch als Maler und Lackierer Adam Josef Krupp Bezeichnete bei den Farbwerken Höchst, wo schon sein Vater als Küfer tätig war.
Im Turnverein 1860 übernahm er 1923 die Stelle des Frauenturnwarts und von 1928-1934 bekleidete er den Posten des Oberturnwarts.
Von 1937-45 fand Josef Krupp eine Anstellung als Lackierer im Eisenbahnausbesserungswerk Nied. Die Stelle bescherte ihm und seiner Familie eine Reihe von Freifahrten bei der Reichsbahn.
Für seinen ältesten Sohn Hermann war die Reise nach Berlin 1937 ein denkwürdiges Ereignis. Sie besuchten Museen und bekannte Künstler in ihren Ateliers.
Noch wichtiger für Josef Krupp war jedoch, dass er Mitglied in der Musikkapelle des Eisenbahnausbesserungswerkes wurde.
Die Musik nahm weiter einen wichtigen Raum in seinem Leben ein: wenn keine Konzertverpflichtungen dem entgegenstanden, spielte er immer wieder einmal auch als Saxophonist bei Tanzveranstaltungen auf. Im Orchesterverein 1919 war er vor allem als Klarinettist (er spielte auch S-Klarinette) gefragt und lenkte die Geschicke des Vereins von 1930-37 sogar als dessen 1. Vorsitzenden. In dieser Zeit und vor allem mit ihm als treibende Kraft kam es zu sehr vielen beachtenswerten Aufführungen von Konzerten und sogar uraufgeführten Operetten. Wenn man seine minutiös geführten Bücher mit den Programmheften, Plakaten, Fotos, Traueranzeigen und Einladungen durchblättert, fällt auf, dass in dieser Phase zwischen den Kriegen die Hofheimer Vereine sehr eng miteinander kooperierten. Die Theateraufführungen mit musikalischer Begleitung fanden in der Turnhalle des TV 1860 statt, genau so wurden deren Feierlichkeiten musikalisch vom Orchesterverein 1919 umrahmt. Desgleichen Theaterabende im Frankfurter Hof, Gartenfeste im Rheingauer Hof, Volksbildungsvereine, die katholische Jugend, eigentlich arbeiteten sämtliche Vereine und Vereinigungen bei ihren Veranstaltungen zusammen auch mit denen aus umliegenden Städten und Dörfern.
Wo und in welcher Funktion Josef Krupp im 2. Weltkrieg unterwegs war, ist nicht genauer bekannt. Er hat jedoch eine mit der Schreibmaschine getippte Seite hinterlassen, auf der er seinen vom 25. März bis zum 18. Mai 1945 mit dem Rad bewältigten Weg aufgezeichnet hat. Die Route führt von Hessen über Thüringen nach Bayern. Am 18. April vermerkt er, seinen Sohn Hermann in der Kaserne in Landshut nicht mehr angetroffen zu haben.
Zurück in Hofheim nahm er seinen Beruf als Weißbinder wieder auf und arbeitete bis zu seiner Verrentung im Baugeschäft Kunz und Söhne in Höchst, der Firma Groß und von 1958-1961 bei der Firma von Malermeister Groeneveld in Sprendlingen. Bei der Hofheimer gutbürgerlichen Gesellschaft war er darüber hinaus vor allem als hilfreicher Handwerker gefragt, der die Wohnung weißt, tapeziert, streicht und auch Zäune auf Vordermann bringt. Sein akkurat geführtes Auftragsbuch und die Kassenbelege vom Hofheimer Farbenhaus Betzel geben über die verwendeten Materialien und Mengen genauestens Auskunft.
Im Gartensaal des Gasthauses Vier Jahreszeiten fanden außerdem die beliebten Nikolausfeiern der Vereinsmitglieder und ihrer Familien statt. Diese Mischung aus anspruchsvollem Repertoire gepaart mit lockeren Familienfeiern und gemeinsamen Ausflügen war das Geheimnis seines Erfolges. Das Orchester spielte aber auch in Flörsheim, Kelkheim und anderen umliegenden Orten im Freien oder den üblichen Konzertsälen.
Und auch die neuerrichtete Stadthalle von Hofheim wurde zum selbstverständlichen Austragungsort vielbeachteter Musikveranstaltungen.
Für seine 60 Jahre währende aktive Tätigkeit zeichnete ihn die Bundesvereinigung der Deutschen Blas- und Volksmusikverbände e.V. 1981 mit der Goldene Ehrennadel mit Urkunde aus.
Josef Krupp war ein sehr disziplinierter, akkurater, gradliniger, liebenswürdiger und geselliger Mensch, der seinen Mitspielern und seiner Familie Vorbild war und allen mit seiner Musik die Freude am Leben zu schenken vermochte.
Text und Fotos: Dr. Ingrid Krupp M.A., Enkelin des Jubilars
Quellen:
- Nachlass Hermann Krupp: Notizbücher, Quittungen, Briefe, Notizzettel, Militärpass und Fotos von Josef Krupp
- Von Roland Augustin, Vorsitzender des Orchestervereins 1919 und Leiter der Big Band Hofheim, der Autorin zur Bearbeitung freundlichst überlassene, von Josef Krupp angelegte Bücher:
1: Salon-Orchester Hofheim a. T. Inserate-Programme-Kritiken 1929-1952
2: Orchester-Verein 1919 Mitglied des Volksmusikverbandes Rhein-Main, 1952-1980
Wir bedanken uns bei Frau Dr. Ingrid Krupp M.A., dass sie uns ihren Beitrag zur Veröffentlichung auf unserer Website zur Verfügung gestellt hat.
Bearbeitung: Historischer Arbeitskreis Hofheim am Taunus (Wilfried Wohmann)

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